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29.10.2018, 12:57 Uhr
Berlin verfehlt die Quote für weibliche Auszubildende
In technischen Berufen in Landesbetrieben sind nur rund 15 Prozent des Nachwuchses Frauen. Die Koalition will das ändern.

Berlin. Das Land Berlin verfehlt seine selbst gesteckten Ziele zur Gleichstellung von Frauen bei der Ausbildung im öffentlichen Sektor. Wie eine von der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus erstellte Auswertung von Angaben der landeseigenen Unternehmen ergab, liegt der Anteil von weiblichen Auszubildenden in technischen und gewerblichen Berufen dort bei nur rund 15 Prozent. Das Berliner Gleichstellungsgesetz sieht dagegen vor, Ausbildungsplätze in Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, mindestens zur Hälfte an Frauen zu vergeben. Die rot-rot-grüne Koalition im Abgeordnetenhaus fordert den Senat daher auf, eine Strategie zur Umsetzung der sogenannten Reservierungsquote für Frauen zu entwickeln.

Nach Angaben der Berliner Finanzverwaltung arbeiteten in den Senatsverwaltung und den Bezirksämtern, sowie in den landeseigenen Unternehmen vor rund einem Jahr rund 12.200 Auszubildende. 5500 davon waren Frauen. Das entspricht einer Quote von rund 45 Prozent. Die weiblichen Auszubildenden verteilen sich auf die Lehrgänge jedoch sehr unterschiedlich. In der Ausbildung zu Verwaltungs- oder Justizfachangestellten waren rund 70 Prozent Frauen. Unter den künftigen Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, die vorrangig in öffentlichen Büchereien ausgebildet werden, waren sogar knapp 80 Prozent weiblich.

Die Unterschiede bei den Unternehmen sind sehr groß

Die Polizei zählte im Oktober 2017 dagegen nur 23 Prozent weibliche Auszubildende. Bei der Feuerwehr waren es nur zehn Prozent. Große Unterschiede gibt es auch bei den landeseigenen Unternehmen. Bei der Degewo, sind 67 Prozent aller Beschäftigten Frauen. Auch beim Nachwuchs ist das Verhältnis ausgeglichen. Bei Unternehmen mit vielen Lehrgängen im technisch-gewerblichen Bereich sind Frauen dagegen deutlich unterrepräsentiert. Bei der BSR etwa waren im Oktober 2017 nur knapp 25 Prozent der Auszubildenden Frauen. Bei den Berliner Bäderbetrieben lag der Anteil bei 29, die Wasserbetriebe kamen auf 27 Prozent. Besonders auffällig ist das ungleiche Verhältnis bei der Hafengesellschaft Behala. Zwischen 2006 und 2016 bildete der landeseigene Betrieb 68 Männer als Feinmechaniker, Mechatroniker oder Fachkraft für Hafenlogistik aus – aber nur eine Frau.

Das Berliner Gleichstellungsgesetz sieht vor, dass Frauen in Bereichen, in denen sie unterrepräsentiert sind, bevorzugt als Auszubildende eingestellt werden. Bewerbungen von Frauen müssen im Vergleich zur männlichen Konkurrenz dabei nicht besser oder gleichwertig sein. Für die bevorzugte Einstellung als Auszubildende reicht schon das Erfüllen der formalen Qualifikation der Ausschreibungskriterien. Wenn die Azubi-Stellen wegen mangelnder Bewerbungen von Frauen nicht besetzt werden können, muss die Ausschreibung laut Gesetz wiederholt werden. Erst nach diesem zweiten Anlauf dürfen Behörden und landeseigene Unternehmen die Azubi-Stellen „nach der Bewerbungslage“ vergeben.

Die Koalition will den Senat nun per Beschluss des Abgeordnetenhauses auffordern, darauf hinzuwirken, „Mädchen und junge Frauen verstärkt für technische Ausbildungsberufe zu gewinnen“. Der entsprechende Antrag wurde zur Beratung kürzlich vom Plenum des Abgeordnetenhauses zur Beratung in die Parlamentsausschüsse überwiesen. Ausschreibungen sollen demnach auf „geschlechtsdiskriminierende Hemmnisse“ überprüft werden. Flyer sollen „mädchen- und frauenspezifisch“ für Ausbildungsplätze in öffentlichen Unternehmen werben und an Schulen, Fachschulen und Hochschulen verteilt werden. Auch das Internet und Medienpartnerschaften sollten genutzt werden.

Die Reservierungsquote des Landesgleichstellungsgesetzes müsse umgesetzt werden, forderten die gleichstellungspolitischen Sprecherinnen der Koalition, Derya Çağlar (SPD), Ines Schmidt (Linke) und Anja Kofbinger (Grüne) in einer gemeinsamen Erklärung. Mit Öffentlichkeitsarbeit müsse darauf hingewiesen werden, „dass technische und naturwissenschaftliche Berufe attraktive Karriere- und Verdienstmöglichkeiten für beide Geschlechter bieten“. Junge Frauen müssten gezielt angesprochen werden, um berufliche Chancen auch in sogenannten Männerberufen erkennen zu können.

Die für das Personalwesen zuständige Finanzverwaltung wies darauf hin, dass Behörden bei Ausschreibungen bereits jetzt darauf hinwiesen, dass Frauen in Bereichen, in denen sie unterrepräsentiert sind, bei gleicher Eignung bevorzugt eingestellt würden. Darüber hinaus nähmen viele Ausbildungsbehörden an Veranstaltungen wie dem „Girls’Day“ teil. In den vergangenen Jahren sei der Anteil von Frauen in Männer-typischen Ausbildungsberufen gestiegen. Bei der Feuerwehr habe es 2010 unter 139 Auszubildenden nur zwei Frauen gegeben (1,4 Prozent). 2017 seien es schon mehr als zehn Prozent gewesen. Die CDU zweifelt die Wirksamkeit der Reservierungsquote an. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es auch künftig keinen 50-prozentigen Frauenanteil zum Beispiel bei der Ausbildung von Gleisbauern, Kfz-Mechatronikern oder Maurern geben wird“, sagte die CDU-Abgeordnete Katrin Vogel. Man müsse zur Kenntnis nehmen, dass es auch weiterhin Ausbildungsberufe geben werde, die mehr von Frauen nachgefragt würden – und andere mehr von Männern.

Die großen Landesunternehmen reagieren wohlwollend auf die Initiative der Koalition. „Die Reservierungsquote ist eine gute Sache“, sagte der Sprecher der Wasserbetriebe, Stephan Natz: „Wir werden bestrebt sein, sie einzuhalten.“ Wenn es hart auf hart komme und nicht genügend weibliche Bewerber bereit ständen, nähmen die Wasserbetriebe aber auch Männer. Ähnlich äußerte sich BVG-Sprecherin Petra Reetz. Man bemühe sich sehr um junge Frauen. Aber man müsse eben die fähigen Mädchen für solche Berufe haben, sagte Reetz

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